Chinesische Einflüsse bei Fe Reichelt
Die Tanztherapeutin Fe Reichelt, ehemals tänzerische Meisterschülerin M. Wigmans, beruft sich auf die chinesische Medizin und C. G. Jungs psychologische Interpretationen dieser alten Tradition. Reichelt bietet chinesische Heilatemübungen an, um das Nach-Innen-Gehen zu erleichtern und das Selbstvertrauen zu stärken. Sie erweitert diese Übungen durch Bewegungs-, Raum- und Zeiterlebnis und gewährleistet so den Einstieg in persönliche Gefühle sowie Auseinandersetzung, Gestaltung und die Möglichkeit von Wandlung.
Das Erkennen des emotionsgeladenen, individuellen Atems bedingt laut Reichelt ein Sich Äußern, ein Nach Außen Gehen, die Beseelung der Bewegung und des Ausdrucks. "Mit Hilfe von Atem und Tanz wird es möglich... Reifungsprozesse nachzuholen". "Wir befinden uns ... hier auf dem Wege eines Prozesses, der dem der Psychoanalyse ähnelt. Unbewusstes geht durch einen Zustand des Bewusstwerdens hindurch, oft mit der mühsamen Konsequenz, Verhalten nicht nur zu erkennen und zuzulassen, sondern auch zu ändern und zu üben."
Reichelt ergänzt die Laban´sche Bewegungsdiagnostik um die Analyse des Atems. In ihrer Atemanalyse findet sich die ganze Skala der Laban´schen Bewegungsqualitäten wieder. Die Qualität des Einatmens reicht vom Berühren über Sich-Öffnen in den Raum hinaus bis hin zum Eindringen und Bohren.
Die Spannweite des Ausatmens führt vom sich zurückziehenden Sicherfühlen über passives In-sich-sinken, leichtes Streicheln zu sanftem, sich steigernden Druck, der bis hin zum deutlichen Abgrenzen aktiviert werden kann.
Wenn die innere Spannung sich intensiviert, kann sich ein explosives Ausatmen ergeben, das den begrenzten Raum öffnet, sprengt und die Qualität von Stoßen und ebenfalls Eindringen hat. Der Ausatem gilt zum Beispiel als Auslöser für den Schwung, wobei es bis zu einer gewaltsamen schleudernden, schlagenden und peitschenden Bewegung kommen kann.
Mit den Atemübungen "Phasen des Wachstums" werden Themen wie Geborgenheit, Vertrauen und Öffnung des Bewegungsraumes, Gleichgewicht, Weite und Mitte, Nehmen und Geben und Verwurzelung angesprochen. Dabei gibt Reichelt bestimmte Atemqualitäten, Bewegungsentwicklungen mit Impulsen und Vorstellungsbildern, sogar Gefühlszustände suggestiv vor.
Eine diagnostische Methode ist, durch Beobachtung des spontanen und unwillkürlichen Atems, die Augenblicksstimmung herauszufinden. "Diese Art des Atmens wird sich möglicherweise von der unterscheiden, die sich bei einer Meditation über die jüngst vergangene Lebensphase einstellt. Und eine weitere Veränderung des Atems wird sich höchstwahrscheinlich einstellen, wenn die Meditation bis in die Kindheit, bis in die schicksals-orientierte Rückbesinnung der eigenen Ursprünge zurückreicht".
Reichelt geht es hierbei nicht um die einfache Auflösung eines Zustands, sondern die Mobilmachung der unterstützenden und aufbauenden Elemente.