Trudi Schoop: Dürfen nur Tiere schnaufen?
T. Schoop macht das Dasein an sich in seinem Gleichgewicht des Nehmens und Gebens, des Leer- und Vollseins, den Gefühlen und Handlungen und Expressivität ebenso von der Atmung abhängig wie ihre Grundelemente des Tanzes (Haltung, Zentrum, Spannung, Rhythmus und Raum).
Sie fragt, warum es so anstößig erscheine, wenn der Körper außer Atem gerate, warum die Brust nicht beben dürfe, Töne nicht entweichen dürften, ob wir beweisen wollten, dass wir nicht aus der Fassung zu bringen seien, und ob nur Tiere nach Luft schnappen und schnaufen dürften. In scharfem Atmen zeige sich Überraschung, in tiefem, rhythmischem Atmen Liebe, Freude in vollem fließendem Muster, Kummer in schwerem Ausatmen. Schoop gibt dem Atem Stimme, variiert Lautstärke, Klangfarbe und Sequenzen. Beim Zischen, Grollen, Gurgeln, Jubeln, Jauchzen, Flüstern, Schnauben, Schnarchen, Toben, Jammern, Lachen oder Schluchzen wird der Atem hörbar.
Schoops Anliegen ist es, die Einheit "Atmung-Gebärde-Bewegung-Ton-Klang-Stimme-Sprache" wiederzufinden.
Mit sogenannten Wieder-Belebungsübungen versucht sie, Menschen, die das Atmen vergessen haben, wieder zum Leben zu bringen. "Für die elementarste Übung lasse ich die Patienten auf dem Bauch liegen und beobachte ihre flache, kaum sichtbare Atmung. Ich folge mit meinen Händen, die ich ihnen sanft auf den Rücken und Rippen lege, ihrem fast nicht spürbaren Rhythmus. Vorsichtig kann ich nach und nach die Ausatmung vertiefen, bis die Luft plötzlich in das entstehende Vakuum mit einem spontanen, erquickenden Sog einströmt".
Außerdem regt sie dazu an, Atemfehler gezielt nachzumachen oder aus der Atemrhythmik eine fließende, wellenartige Bewegung entstehen zu lassen und darzustellen.