Tanz- und Ausdruckstherapie (TAT)
Um an der Tanztherapie teilzunehmen, muss man nicht tanzen können, sondern sich lediglich bewegen und in Bewegung selbst erfahren wollen.
Die Tanztherapie betont das Erleben im Hier und Jetzt. Die 1965 gegründete ADTA (American Dance Therapy Association) definiert Tanztherapie als "die psychotherapeutische Verwendung von Bewegung als Prozess, der die emotionale und physische Integration des Individuums zum Ziel hat."
Das tanztherapeutische Menschenbild basiert auf der ganzheitlichen Vorstellung, dass Köper, Seele und Geist eine Einheit bilden. Charakteristisch ist die Auffassung, jeder Mensch sei ein Tänzer. "Jeder kann tanzen. Ich will damit nicht sagen, dass jeder ein Tanzkünstler werden kann. Aber ich glaube, dass sich jeder mit Nutzen dem Tanz widmen und damit unterdrückte, nur halbbewusste Gefühle zum Ausdruck bringen kann" so die Ausdruckstänzerin Mary Wigman.
Tanz wird hier als Ausdrucksgeschehen des Körpers in Bewegung im weitesten Sinne verstanden. Das zentrale Wirkungsprinzip der Tanztherapie ist die nachholende Ich-Entwicklung.
Schon in den ersten Lebensmonaten tanzt der Mensch. Zu diesem Ergebnis kommt die moderne Säuglingsforschung. Der amerikanische Psychoanalytiker Daniel Stern spricht vom "Tanz der sozialen Interaktion" und von "falschen Schritten beim Tanz" in Bezug auf den frühen Dialog und dessen mögliche Störungen zwischen Mutter und Kind.
Ohne Worte ist das Baby schon sehr früh als aktiver Partner durch Mimik und Gestik an der zwischenmenschlichen Kommunikation beteiligt. Später bringt der Erwachsene durch Bewegung mehr oder weniger unbewusst eine eigene, individuelle Geschichte zum Ausdruck.
Geschichte und Methodik
Die Tanztherapie entspringt dem am Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts entstandenen deutschen Ausdruckstanz und den nachfolgenden tanzpädagogischen Ansätzen. In den 40er und 50er Jahren legten mehrere Tänzerinnen und Tanzpädagoginnen (Marian Chase, Lilian Espenak, Mary Whitehouse, Trudi Schoop, Alma Hawkins, Blanche Evan) in den USA den Grundstein zur Tanztherapie. Ihre Arbeit wurde im Nachhinein durch psychologische Erklärungsmodelle ergänzt. Einige Modelle werden im Zusammenhang mit den Atemmethoden im tanztherapeutischen Prozess vorgestellt: T. Schoop, F. Reichelt, L. Espenak, I. Bartenieff, E. Siegel, J.S. Kestenberg.
Nachdem sich die Tanztherapie in den 70er Jahren an den amerikanischen Universitäten etablierte, veränderte sich ihr Selbstverständnis vom Status eines Heilhilfsberufes zu dem einer eigenständigen Psychotherapieform. Die Tanztherapie basiert auf humanistischen/tiefenpsychologischen Theorien. Dem gemäß werden die gesunden Anteile und das individuelle Potential des Patienten gefördert.
Die Tanztherapie zeichnet sich durch spezielle Techniken aus. Dazu gehören unter anderem die Bewegungsanalyse (nach Laban oder Kestenberg) und der künstlerische Gestaltungsprozess, so das die Tanztherapie mit den Körper- und den Kreativtherapien in Verbindung steht. Die kreative Aktion des Patienten und die Beziehungsgestaltung zu Gruppenmitgliedern und zur Therapeutin stehen im Vordergrund des Geschehens. Verbale Reflexion ist ein Mittel zur Integration der Bewegungserfahrung in das Bewusstsein.
Im Laufe der Tanztherapie können verschiedene Grundelemente der Bewegung erprobt werden, wie z.B. fließende und gehaltene oder leichte und kräftige, kleine und große Bewegungen. Auch können psychische Themen, wie z.B. Nähe-Distanz-Regulierung, Gleichgewicht, Umgang mit Gefühlen in Bewegung erfahren und bearbeitet werden.
Grundlegend für meine tanztherapeutische Arbeitsweise ist das tanztherapeutische Modell Kestenbergs.