Die Lebenskräfte
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In der Beschreibung der Lebensprozesse stimmen die naturwissenschaftlichen und die geisteswissenschaftlichen Forschungsergebnisse relativ gut überein. Allerdings sind der Naturwissenschaft die eigentlichen Verursacher der Lebensvorgänge in Pflanze, Tier und Mensch so gut wie unbekannt.
Nach streng materialistischer Vorstellung entsteht das Leben aus Materie. Nach spiritueller Anschauung werden die Lebensvorgänge von Pflanzen, Tieren und Menschen durch die Lebenskräfte hervorgerufen. Diese sind auch als eine Art Anti-Schwerkraft wirksam, die die Aufrichtekraft ermöglicht.
Aus naturwissenschaftlicher Sicht lässt sich das Leben durch folgende Kriterien kennzeichnen:
- Vermehrung
(Autoreduplikation)
- Stoffwechsel
(Auf- und Abbau)
- Wachstum, Differenzierung
(Tod)
- Information und Gesamtfunktion
(Gene, DNA, RNA)
- Energiereiche Makromoleküle
(z.B. Proteine)
- Anpassung
(Modifikation, Evolution)
- Individualisierung
(Lebewesen sind abgegrenzte Gebilde)
Auch nach geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen wird das Lebendige mit sieben Merkmalen versehen.
- erneuern, regenerierendes Leben
- bewegen, kräftendes Leben
- Stoff umbauen, ernährendes Leben
- ausgleichen, zirkulierendes Leben
- atmen, bildendes Leben
- bewahren, formendes
- begrenzen, ersterbendes Leben
In unserer Kultur wird mit den Begriffen der Lebenskraft oder Lebensenergie eher unpräzise und unspezifisch umgegangen. Die Worte der Lebenskraft oder Ätherkraft entstammen der esoterischen Fachsprache und wollen eine feinstoffliche, hinter der Materie liegende Welt, eine Form der nicht materiell gebundenen Energie bezeichnen. Die Lebenskraft besteht aus vier verschiedenen Anteilen: Lebensäther, chemischer oder Klang-Äther, Lichtäther, Wärme-/Feueräther.
Rudolf Steiner, der Anfang des letzen Jahrhunderts als spiritueller Lehrer die Anthroposophie begründete, brachte das Thema vorsichtig in Form von Vorträgen in die allgemeine Öffentlichkeit. Einem seiner Schüler, Prof. Ehrenfried Pfeiffer gelang es, die Ätherkräfte an pflanzlichem Material und menschlichem Blut im Labor mit Hilfe von Kupferchlorid sichtbar zu machen. Die Ätherkräfte wirken beim Menschen mit an der Gestaltbildung, am Wachstum, an der Bewegung und am Denken.
Rudolf Steiner ging es nicht nur um ein Behaupten einer Lebenskraft, vielmehr regte er das wirkliche Anschauen, das geistige Wahrnehmen eines Wesenhaften an. Ein solches Vorgehen betont auch Heinz Grill, der ebenfalls Anleitungen zur Heranbildung und zum Studium der Ätherkräfte gibt, z. B. anhand von Naturerscheinungen oder während der Yoga-Übungspraxis. Hier gelten die Lebenskräfte als heilsam, gesundheitsfördernd, verbindend und sogar lebensrettend.
Der Begriff Lebenskraft hängt mit dem des Äthers zusammen. In verschiedenen Zeitepochen, Kulturen und auch in Kunst und Religion taucht der Begriff des Äthers immer wieder auf. Gemeint ist nicht die als Narkose- und Lösungsmittel verwendete Flüssigkeit, sondern ein unstofflich-flüchtiges, bläulich gefärbtes, lichthaft-strahlendes, feurig-glühendes, die Welt ausfüllendes Medium. Poetisch wurde dieses Wort oft als Synonym für Sternenhimmel oder den strahlenden blauen Himmel verwandt.
Nach altgriechischer Vorstellung bestand der Luftraum über der Erde aus zwei verschiedenen Luftzonen, aus einer unteren, niederen Schicht, die durch neblig-wolkige und dicke Luft gekennzeichnet ist und aus einer himmelsfernen, äußerst feinen und klaren Luftzone, die zugleich als Wohnsitz der unsterblichen Götter galt. Diese "Himmelsluft" heißt nach dem in südlichen Gegenden besonders hell und strahlenden Firmament, mit dem sie gleichgesetzt wird, griechisch aithér: das Brennende, Glühende, Leuchtende (vgl. Indogermanische Sprachwurzel aidh: brennen, glühen).
In Indien gilt der Äther (akasha) als das erste Element, aus dem die anderen vier Elemente Feuer, Luft, Wasser und Erde hervorgegangen sind "Äther ist die erstanfängliche und auf die zarteste Weise durchdringende Manifestation der göttlichen Substanz. Aus ihm entfalten sich in der Entwicklung des Alls alle anderen Elemente" (Zimmer: Indische Mythen)