"Eine Durchformung der verschiedenen Köperübungen, der Konzentrations- und Meditationsübungen
von oben nach unten mit geistigen Elementen wird hier ... geschaffen."  (Heinz Grill)

Neuer Yogawille

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Seit 25 Jahren kreiert der spirituelle Lehrer Heinz Grill einen Yogaschulungs- und Übungsprozess, den er speziell auf die neuzeitliche, westliche Kultur abgestimmt hat, und benennt diesen als Neuen Yogawillen. Heinz Grill belebt aus unmittelbarer geistiger Erkenntniskraft heraus den Yoga so, dass er eine Vertiefung des täglichen Lebens und auch des christlichen Lebens ermöglicht. Es handelt sich dabei nicht um eine alternative Form des Yoga mit neuen Übungen oder Glaubenszusammen-schlüssen, vielmehr um eine individuelle Bewusstseinsarbeit, die alle Teilbereiche des Lebens erfasst.

Das Erleben dieses Yoga ist im Gegensatz zu den traditionellen Formen in die Welt hinein ausgerichtet und „sucht eine Beziehung zu der Erde und den Erscheinungsformen und sucht gleichzeitig den verborgenen Geist hinter der sinnlichen Wahrnehmung. Der Einzelne der diesen Pfad beschreitet, schließt sich weniger bekannten Gruppengefühlen und allgemeinen traditionellen Überlieferungen an, er nimmt weniger die Übungsweise auf, von der er ein einseitiges himmelwärts strebendes Heil der Seele erhofft, er betet auch nicht zu einem fremden Gott im Sinne eines passiven Bittgebetes und einer passiven Heilshoffnung, sondern er erlebt selbst seine Stellung als Individuum, das ausgestattet ist mit einer ganzen und tragfähigen Entscheidungskraft und Verantwortungskraft....Nicht einer Gottesvorstellung, einer Weltanschauung oder einem Credo überantwortet der Einzelne sein Ich, sondern er lernt es durch die Wirrnisse des gesamten Dickichts von philosophischen Begrifflichkeiten, moralischen Dogmen und vielversprechenden Ideologien in die Welt mit Tatendrang und Freiheit hinein zu organisieren. Diese umfassende und kraftvolle Beziehungsfähigkeit, die aus dem innersten Bewusstsein der Seele hinein in die Welt erfolgt, ist der wichtigste Lebensatem dieses Yoga und gibt ihm im gewissen Sinne wieder neue Möglichkeiten der Erfahrung und der Freiheit in integraler Selbstwerdung. Der Yoga, wie er hier verstanden wird, ist nicht nur ein klassischer Pfad der Selbstwerdung, sondern er ist ein neuer Pfad, mit einem neuen Willen, mit einer größeren Gedankenbildkraft und einer eigenständigeren Führungsinitiative der Seele (des Ich) aus dem Innersten" (H.G.: Initiatorische Schulung, Übungen zur Erkenntnisbildung der höheren Welten, S.11-12).

Ansprechpartner ist primär die Seele, bzw. das Bewusstsein und nicht der Körper - sogar während der traditionellen körperlichen Übungen des Yoga. "Es ist das Bewusstsein, das durch rechte Stimmungen, Gedanken und Übungsansätze zu einem höheren Niveau trainiert wird und dass sich schließlich über den Körper, über die Sprache, die Gesten und Handlungen mit Weite, Schönheit oder Weisheit ausdrückt. Der Yoga betont die künstlerische und ästhetische Wesensseite." Hierin unterscheidet sich das Anliegen des Neuen Yogawillens grundlegend von den bisherigen, eher traditionellen von Indien aus übernommenen und zur Zeit bei uns hochaktuellen Methoden. Das Ziel des Yoga ist nicht ein "Erlöschen der Individualität und ein Aufgehen in den Erfahrungen der kosmischen Einheiten mit ihrer schweigenden Ruhe, sondern ein Bewusstwerden im Denken, Fühlen und letzten Endes in der Identität des Handelns gegenüber einer sich offenbarenden geistigen Wirklichkeit, die selbst die metaphysische Welt übersteigt" , so Heinz Grill.

Durch das seelische Leben des einzelnen Menschen können die beiden Pole, die materielle und die geistige Welt Verbindung miteinander finden. Dieser Neue Yogawille stellt die sogenannte Individuation, also das Wachstum des Menschen in Bezug auf Eigenständigkeit, Freiheit und Unabhängigkeit bei gleichzeitiger Förderung des Verantwortungsbewusstsein in den Mittelpunkt. Alte Rituale und Regeln aus der Yoga-Tradition, wie z.B. Autoritätsgehorsam, Lebensrückzug oder von außen auferlegte Zwänge wirken hierbei eher hinderlich. Stattdessen werden sogar ganz besonders die sozialen Fähigkeiten z.B. edlere Formen der Kommunikation und die Empfindungsintensität gefördert. Beziehungsfreude, Interesse am Mitmenschen und der Wille, sich heilsam zu begegnen stehen im Mittelpunkt.

Dieser Übungs- und Schulungsweg ist für jeden Menschen geeignet, der eine Weiterentwicklung im Leben sucht, die mit geistigen Gesetzmäßigkeiten des Lebens übereinstimmen soll. Der Neue Yogawille umfasst die körperliche, seelisch-soziale und geistige Dimension des Yoga, hierzu gehören Bewusstseinsübungen, Körperhaltungen (Asanas), Atem- und Entspannungsübungen sowie spirituelle Textarbeit und Meditation und die lebendige Ausgestaltung des Alltags-und Beziehungslebens mit spirituellen Fragestellungen und Gedanken.

Der neue Yogawille bei Rudolf Steiner

Nicht nur durch den Namen des Neuen Yogawillens, sondern vielmehr nochaufgrund der inhaltlichen Gestaltung dieses Yoga, gibt es viele Berührungen mit der Anthroposophie und auch mit dem integralen Yoga des Sri Aurobindo. Sowohl mit der Anthroposophie als auch mit dem neuen Yogaansatz ist ein geistiger Schulungsweg verknüpft, der die Seele als Bindeglied zwischen Geist und Körper aktivieren möchte. Diese Schulungswege sind sogenannte Geisteswissenschaften im spirituellen Sinne.

Die Bezeichnung Neuer Yogawille wurde erstmals 1919 von Dr. Rudolf Steiner geprägt und zwar in einem in Dornach gehaltenen Vortrag mit dem Titel "Die alte Yoga-Kultur und der neue Yogawillen. Die Michael-Kultur der Zukunft". Dr. Rudolf Steiner, der einige Jahre lang Vorsitzender der deutschen Sektion der in Indien gegründeten Theosophischen Gesellschaft war, beschäftigte sich intensiv mit den alten indischen Formen des Yoga und forderte deswegen auch eine fundamentale Erneuerung des Yoga für den zukünftigen Menschen. Rudolf Steiner betont in vielen seiner Schriften, dass die Bewusstseinshaltungen des Menschen sich im Laufe der Jahrhunderte und Jahrtausende mehrfach geändert bzw. weiterentwickelt haben, so dass für den heutigen und zukünftigen Menschen ganz andere spirituelle Schulungswege notwendig seien als in allen früheren Zeiten.

In dem oben genannten mit rein intellektuellen Mitteln schwer zu verstehenden, tiefe Meditationsgeheimnisse enthaltenden Vortrag macht Steiner darauf aufmerksam, dass die Yoga-Erfahrungen aus älteren Zeiten nicht von uns übernommen werden können. Wir müssten stattdessen eineganz neue Vorstellung über das Seelische entwickeln, nämlich dass sich die Seele mit dem Licht verknüpfe und seelische Prozesse von außen nach innen verlaufen und über die bewusste Sinneswahrnehmung erfahren werden können. Die Yoga-Erfahrungen sollten heute nicht mehr wie in alten Zeiten (vgl. Patanjalis Anleitungen) vom Erleben des Atmens ausgehen.

Aus diesem Grund gehört zu einer spirituellen Schulung ein bewusstes und interessiertes In-Kontakt-Treten mit der Außenwelt.  Denn mit jedem Lichtstrahl, mit jedem Ton, mit jeder Wärmeempfindung und deren Abklingen treten wir in seelischen Wechselverkehr mit der Welt. Und dieser seelische Wechselverkehr muss laut Steiner für uns etwas Bedeutsames werden.
Das was von außen in uns hineinwirke, das seien Weltengedanken. Diese werden von innen mit unserem Willen, der dem Menschheitswillen gleiche, beantwortet. Wir müssen fühlen lernen, wie durch unsere Augen unser Wille wirkt und wie in der Tat die Aktivität der Sinne leise sich hineinmischt in die Passivität, wodurch sich Weltengedanken und Menschheitswille kreuzen. Diesen neuen Yoga-Willen, den müssen wir entwickeln... Wir müssen lernen, nicht immer nur vom Gegensatz zu sprechen zwischen dem Materiellen und dem Geistigen, sondern wir müssen das Ineinanderspiel des Materiellen und des Geistigen in einer Einheit gerade im sinnlichen Auffassen erkennen. ...  Wir müssen gewissermaßen, wenn wir das Licht als den allgemeinen Repräsentanten der Sinneswahrnehmung hinstellen, uns dazu aufschwingen, das Licht beseelt zu denken, so wie es selbstverständlich war für den Menschen des zweiten, des dritten vorchristlichen Jahrtausends, die Luft beseelt zu denken, weil sie das auch war. Wir müssen uns gänzlich abgewöhnen, dasjenige im Licht zu sehen, was das materialistische Zeitalter gewöhnt ist, in dem Licht zu sehen... Wir müssen uns darüber klar werden, dass die Seele durch den Weltenraum dringt auf den Schwingen des Lichtes...Wenn man den Ausgangspunkt erst gewinnt, die Metamorphose von Luft und Licht seelisch richtig einsehen zu können, dann wird man allmählich aufsteigen können, auch den Menschen selber wiederum in allen seinen Gliedern geistig-seelisch zu begreifen, dann wird man nicht abstrakten Stoff  und abstrakten Geist haben, sondern Geist, Seele und Leib ineinander wirkend. Das wird Michael-Kultur sein."

Einer der Yoga-Pioniere in Deutschland, Dr. phil. Otto-Albrecht Isbert (1901-1986), beschäftigte sich zunächst mit Anthroposophie. Er untersuchte die Yoga-Begriffe und die Yoga-Praxis sehr genau aus klarer gedanklicher - anthroposophisch geprägter - Perspektive, wie schon aus den Titeln seiner Yogawerke hervorgeht: "Yoga -Arbeit am Selbst", "Konzentration und schöpferisches Denken". Obwohl er die Institutionalisierung des Yoga in Deutschland vorantrieb, indem er 1962 das „Deutsche Yoga-Institut für Forschung, Lehre und Praxis e.V.“  (DYI) gründete und gleichzeitig den Grundstein für die Bildung des heute größten Verbands der Yogalehrenden Deutschlands (BDY) legte, ist Isbert mit seinen Anliegen, das schöpferische Denken zu fördern, sowohl innerhalb der anthroposophischen als auch innerhalb der boomenden Yogaszene heute leider fast vollkommen in Vergessenheit geraten.


 
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